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Sonntag, 6. Mai 2007

Methodik der UFG in der Praxis

meine Behauptung:
1. objektive Ebene: Fund, Fundkomplex und deren Dokumentation (Tatsachen)

Es müsste meiner Ansicht nach so sein, in der Praxis schaut dies aber nach wie vor ganz anders aus. Leider sind die Dokumentationen immer unvollständig, v.a. bei Rettungsgrabungen wird sehr selektiv gearbeitet und die Grabung nur teilweise dokumentiert. Dies hängt ganz klar mit der Methodik zusammen, die klassische Methode der Planungsgrabung und der dadurch entstehenden Schnitte, die eigentlich vollkommen willkürlich im Fundplatz vorgenommen werden (da der Grabungsleiter ja von Anfang an nicht weiß, was sich wie in der Erde befindet), sind natürlich absolut keine objektive Art, die Informationen aus der Grabung zu gewinnen.

Das Problem dabei ist, dass die Grabungen ohnehin wenig Informationen enthalten. Wenn wir durch unvollständiges und inkorrektes Arbeiten nun auch noch Informationen zerstören, wie sollen wir denn auf ein vernünftiges Ergebnis kommen?

Diese Behauptung von mir ist entstanden durch den Einfluss eines Professors von mir, der auch der Ansicht ist, dass es möglich ist, eine Grabung 1 zu 1 nachzustellen. Seine Methode ist die Stratigraphische Grabung, das heißt, dass er bei jeder Grabung jede Ablagerung einzeln abtragen läßt und dann jede somit entstandene Ebene 3D einscannt. Nach der Grabung, wenn das Original vollstäntig zerstört ist, ist die Grabungsstelle aber 1 zu 1 nachzubilden. Natürlich werden dabei auch Details, die durch den 3D- Scanner nicht erfasst werden können, eingemessen, und ganz zum Schluss wird die entstandene 3D- Nachbildung mit Fotos versehen.
Dies scheint tatsächlich eine Methode zu sein, die es erlaubt, die Grabung in ihrer materiellen Gesamtheit (Ablagerungen, deren Abfolge und deren enthaltenen Informationen wie Fund- Standorte, Verfärbungen etc.) darzustellen und zu sichern auch nach der tatsächlichen Ausgrabung.

Wenn alles klappt, werde ich im Sommer mit diesem Professor einen Monat lang ausgraben können, dann werde ich mir selbst ein besseres Bild davon machen können, ob dies tatsächlich eine objektive Art der Dokumentation sein kann und ob man tatsächlich damit arbeiten kann.

Wenn nicht, werde ich jedenfalls dabei helfen, eine zu suchen, die es auch auf Rettungsgrabungen möglich macht die Grabung ganz zu dokumentieren. Irgendwie muss das gehen, dass alle Informationen erfasst und gespeichert werden können - oder ist das nur eine Illusion?

Meine Frage ist: Wenn schon die Ausgangsdaten unvollständig und somit verfälscht sind, wie kann man dann, wenn man schon nur in die 2. Interpretationsebene (siehe mein Essay) weiterschreiten will, zu einigermaßen wissenschaftlich korrekten Ergebnissen kommen? In jeder Interpretationsebene wird das Ergebnis immer mutmaßlicher. Und wenn wir nun wissen, dass bereits in den Ausgangsdaten Fehler sind, wie sollen wir damit möglichst realistisch und möglichst wahrheitsgetreu arbeiten können?

1 Kommentar:

Michela hat gesagt…

Stratigraphische Grabungsmethoden - wirklich genauer als Planungsgrabung?

Schlussendlich ist die Diskussion klar: Stratigraphie ist theoretisch die genauere Ausgrabungsmethode, da sie relativchronologisch die Deponierungen erklärt. Praktisch kann man aber durchaus sagen, dass sie auch ungenau ist, da es oft schwierig ist zu definieren, wo die geologischen Ablagerungen beginnen und enden - selbst von erfahrenen Ausgräbern.

Somit kann man durchaus sagen, dass selbst die genauest durchgeführte stratigraphische Ausgrabung immer noch mit einer Planungsgrabung zu vergleichen ist, die erhaltene relative Chronologie bleibt unexakt.

Zudem ist unter Zeitdruck (Rettungsgrabung) wahrscheinlich einfacher mit Planungsgrabungen zu arbeiten, aus rein organisatorischen Gründen.

Über mich

Wien, Austria
Junior Researcher at AIT, Austrian Institute of Technology in Vienna.